Vierungen als Steinersatz

Allgemein

Die Bezeichnung von Steinergänzungen als „Vierung“, kommt wahrscheinlich aus dem gleichlautendem Begriff der Kirchenarchitektur [im Grundriss quadratischer Teil des Kirchenraumes]. Daher wird oftmals fälschlicherweise davon ausgegangen, dass Vierungen quadratisch oder zumindest rechteckig sind.

Vierungen

bossierte Vierungen am Ruinenberg Potsdam

Vierungen aus Naturstein werden angewandt, wenn größere Fehlstellen am Steinmaterial entstanden sind. Diese können sowohl bei der Herstellung, beim Transport und der Montage, oder auch durch Umwelteinflüsse entstehen. Kriegsschäden haben zudem an vielen Fassaden einen großen Anteil an Schädigungen hinterlassen.

Ob eine Fehlstelle mittels Vierung oder aber mit einer Antragung aus Steinergänzungsmörtel ausgebessert wird, ist oftmals eine Konzeptsache. Prinzipiell lässt sich jedoch sagen, dass bei konstruktiver Belastung sowie bei starker Bewitterung eine Vierung der Antragung vorzuziehen ist.

Materialien

Das Vierungsmaterial sollte im Idealfall aus dem gleichen Stein wie das Bestandsmaterial bestehen. Ist das Originalmaterial nicht bekannt, sollte dies anhand einer petrographischen Untersuchung festgestellt werden. Der als Ersatz verwendete Naturstein benötigt möglichst gleiche Eigenschaften wie das Altmaterial. Vor allem sind hier die Härte, die Wasseraufnahme und das thermische Verhalten entscheidende Faktoren.

Zum einsetzen der Vierungen beim Sandstein, Tuff oder Steinen mit ähnlicher Wasseraufnahme, sollten mineralische Mörtel Verwendung finden. Die oft angewendeten Epoxidharze können, auch bei punktueller Anwendung, den Wasserhaushalt dieser Natursteine verschlechtern.

Wenn eine zusätzliche Verankerung benötigt wird, sollte diese Rostfrei sein. Hier bieten sich VA- und GFK- Stäbe an.

Ausführung

Nach dem fachgerechten ausarbeiten der Schadstelle, wird die neue Vierung zugeschnitten und die Oberfläche Steinmetzmäßig überarbeitet. Ein Nacharbeiten im eingebauten Zustand sollte vermieden werden, um Beschädigungen am Bestandsmaterial zu vermeiden.

Die verbleibenden Vierungsfugen werden zum Schluss mit einem passenden Steinersatzmörtel (Restauriermörtel) geschlossen. Die minimale Breite der Fugen orientiert sich am verwendeten Material und dessen Mindestanforderungen. Eine so genannte Messerfuge ist in den meisten Fällen technisch weder sinnvoll noch fachgerecht.

 

Vierungsarten

gemeine Vierungen

Die meisten Vierungen haben einen rechteckigen Grundriss. Es ist aber auch möglich, runde, dreieckige oder andere geometrische Vierungen herzustellen. Runde Vierungen können, in glatten Flächen, einen Vorteil durch Nutzung von Kernbohrgeräten bringen. Jedoch wird hier oftmals, wie bei der rechteckigen Ergänzung, die Vierung größer als nötig. Bei anderen Geometrien ist zwar der Arbeitsaufwand höher, das Bestandsmaterial wird aber weniger geschädigt.

Schwalbenschwanz Vierungen

Diese Vierungen werden an überkragenden Bauteilen angebracht. Wie beim Namensgeber, verjüngt sich die Vierung nach unten hin. Dies verhindert das herausfallen der Vierung, falls der Mörtel oder die Verankerung versagt.

Form folgende Vierungen ; punktierte Vierungen

Bei dieser Ausführung wird die Form der Schadstelle komplett beibehalten. Lediglich nicht tragendes Steinmaterial wird vorsichtig entfernt. Diese sehr kostenintensive Variante wird hauptsächlich bei Denkmäler mit hohem historischem oder ideellem Wert angewandt. Hierzu wird die Bruchstelle abgeformt, um diese dann später beim Vierungsstück mit einem Punktiergerät zu kopieren.

Dieser Artikel ist zuerst auf Restauratus.de von mir veröffentlicht worden.

Posted in Natursteinrestaurierung
Tags: , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Themen

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.